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Was ist eine ambulante Tinnitus-Kur?

Ambulante Kuren finden in staatlich anerkannten Kurorten oder Heilbädern statt. Sie erfolgt in ermächtigten Instituten. Im Unterschied zur stationären Reha bist du für die Unterbringung und die Verpflegung zuständig. Du mietest dir ein Zimmer in einem Hotel oder einer Pension.

Es gibt 3 Gründe, warum die Krankenkassen ambulante Kuren bezahlen:

  • „Ambulante Vorsorgeleistung (=Kur) zur Krankheitsverhütung“

  • „Ambulante Vorsorgeleistung (=Kur) bei bestehenden Erkrankungen“

  • „Kompaktkur“ (siehe unten)


Eine Sonderform ist die ambulante Tinnitus-Kompaktkur.


Was ist eine ambulante Tinnitus-Kompaktkur?

Bei der Tinnitus-Kompaktkur handelt es sich um eine spezielle Form der ambulanten Kur. Es ist eine Vorsorgemaßnahme. Liegen psychische Störungen vor (Angst, Depression) verordnet der HNO-Arzt/Ärztin eine stationäre Therapie.

Das Ziel der Kur ist ein besserer Umgang mit dem Ohrgeräusch. Die Dauer der Kurmaßnahme beträgt 3 Wochen. Ausgeschlossen ist eine Verlängerung der 21 Kurtage.


Die Gruppenmitglieder bilden eine geschlossene Gruppe. Sie bleiben über den Zeitraum der Kur zusammen. Es kommen keine Gruppenmitglieder hinzu. Die Betreuung durch die Therapeuten ist intensiv. Das Ziel ist das Lernen von gesundem Verhalten.


Wenige Kurorte und Heilbäder bieten eine ambulante Tinnitus-Kompaktkur an. Die Teilnehmer leiden alle unter Erkrankungen des Hör- und Gleichgewichtsorgans.

  • Tinnitus

  • Hörsturz

  • Hyperakusis (empfindlich auf Geräusche)

  • Morbus Menière


Welche Voraussetzungen gibt es bei einer ambulante Tinnitus-Kompaktkur?

Ein Beispiel: Du erkrankst an einem Tinnitus. Der HNO-Arzt behandelt dich nach den Leitlinien mit Kortison als Tablette oder Infusion. Ist die Therapie ohne Erfolg, spritzt dir dein Arzt das Kortison in das Ohr. Die sogenannte Intratympanale Kortisontherapie ITC ist ein schmerzloses Verfahren unter örtlicher Betäubung. Bleibt die ITC ohne Erfolg und das Ohrgeräusch besteht weiter, gibt es für dich drei Möglichkeiten.

1. Tinnitus ohne weitere Beschwerden: Abwartendes Verhalten. Regelmäßige Kontrolle beim HNO-Arzt.

2. Tinnitus mit Beschwerden (weitere Hörstürze, gestörter Schlaf und Konzentration): Ambulante therapeutischer Maßnahmen am Ort, abhängig vom Beschwerdebild: Psychotherapie, Krankengymnastik, Massagen, Zahnschienen, Hörgeräte.

3. Bleiben die unter 2. genannten Therapien ohne Erfolg, befürwortet dein HNO-Arzt eine Tinnitus-Kompaktkur. Voraussetzung: Es liegen keine psychischen Störungen vor.

4. Bei psychischen Krankheiten verordnet die der HNO-Arzt/ Ärztin eine stationäre Reha.


Wann erfolgt eine Behandlung stationär und wann ambulant?

Eine ambulante oder stationäre Reha erfolgt bei einem mehr als 3 Monate bestehenden Tinnitus, wenn die Betroffenen unter dem Ohrgeräusch leiden. Der Grundsatz der Krankenkassen heißt ambulant vor stationär.

Eine ambulante Tinnitus-Kompaktkur ist eine Vorsorgemaßnahme. Sie verhütet die Entstehung von psychischen Krankheiten und ermöglicht den Betroffenen einen besseren Umgang mit dem Tinnitus. Sie erfolgt durch Psychologen.

Eine stationäre Tinnitus-Behandlung ist eine medizinisch-psychotherapeutische Behandlung. Sie ist erforderlich bei schwerem Verlauf der Krankheit, bei dramatischer Verschlechterung und wenn psychiatrische Krankheiten dies erfordern. Sie erfolgt im Team mit Psychotherapeuten, Psychiatern und Neurologen.


Beispiele:

  • Angststörung

  • Panik

  • Posttraumatische Belastungsstörung

  • Depression

  • gestörter Schlaf und Konzentration


Welchen Einfluss hat das Tinnitus-Stadium auf die Wahl der Therapieform?

Den chronischen Tinnitus, der länger als 3 Monate besteht, unterteilt in 4 Stadien:


Stadium 1 und 2:

Ein kompensierter Tinnitus: Das Geräusch hat wenige weitere Symptome. Dein Leidensdruck ist gering. Er beeinträchtigt nicht die Qualität des Lebens. Eine ambulante Tinnitus-Kompaktkur ist im Stadium 1 und 2 medizinisch sinnvoll.


Stadium 3 und 4:

Bei einem dekompensierten Tinnitus beeinträchtigen die Ohrgeräusche dein Leben in allen Lebensbereichen. Psychische Erkrankungen treten auf oder verschlechtern sich. Du hast einen Leidensdruck und eine stark verminderte Lebensqualität. Hier erfolgt eine Behandlung unter Einbindung von Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Das leistet eine stationäre Reha.


Wie stelle ich einen Antrag bei der ambulanten Tinnitus-Kompaktkur?

Den Antrag musst du bei deiner Krankenkasse stellen. In der Regel gibt sie deinem Wunsch statt.

  1. Schritt: Du suchst deinen HNO-Arzt/-Ärztin auf.

  2. Schritt: Mit ihm besprichst du, welche Maßnahmen sinnvoll sind: ambulant oder stationär.

  3. Schritt: Der HNO-Arzt/-Ärztin füllt das Formblatt „Anregung einer ambulanten Vorsorgeleistung in anerkannten Kurorten gem. §23 Absatz 2 SGB V" aus.

  4. Schritt: Dein Hausarzt/Ärztin schreibt eine Stellungnahme, wenn weitere Krankheiten vorliegen (Schlafstörungen, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit).

  5. Schritt: Du gibst den Antrag und die Stellungnahme des Hausarztes/-Ärztin bei deiner Krankenkasse ab.


Erhalte ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Volksmund: Krankschreibung)?

Bei einer ambulanten Tinnitus-Kompaktkur sind Erwerbsfähige in der Regel arbeitsfähig. Du erhältst keine Krankschreibung vom Arzt, sondern musst deinen Erholungsurlaub nehmen.

Erhalte ich eine Unterkunft

Bei einer ambulanten Kur übernachtest du zu Hause oder suchst dir am Behandlungsort eine Unterkunft. Du musst die Unterkunft bezahlen. In Einzelfällen gewährt die Krankenkasse oder die private Versicherung einen Zuschuss.


Welche Inhalte hat die ambulante Tinnitus-Kompaktkur?

Am Beginn der Behandlung erfolgt eine Untersuchung durch den Kurarzt und einen HNO-Arzt/Ärztin. Sie stellt garantiert, dass die ambulante Tinnitus-Kompaktkur das für dich geeignete Verfahren ist.

Die wesentlichen Inhalte sind:

  • Beim Counselling geht um die Aufklärung über den Tinnitus, die Folgen und die Vermeidung weiterer Störungen (Depression, Angst).

  • In der Gruppentherapie erarbeitest du mit anderen Betroffenen wirkungsvolle Strategien, um dem Krankheitsbild zu begegnen.

  • Das Entspannungstraining (progressive Muskelrelaxation, autogenes Training, Yoga) entspannt dich.

  • Durch die Hörtherapie gewöhnst du dich an den Tinnitus und lernst, wie du mit ihm umgehen kannst.

  • In den psychologischen Einzelgesprächen schaust du dir deine Situation an und wie du sie verbessern kannst.

  • Tinnitus führt zu verspannter Muskulatur in der Halswirbelsäule, der Wirbelsäule, dem Kiefergelenk und dem Gesicht. Die Physikalische Therapie (Krankengymnastik, Fango, Massagen) setzt Heilreize, entspannt den Geist und den Körper.


Wer übernimmt die Kosten einer ambulanten Tinnitus-Kompaktkur?

Die Kosten übernimmt zum Teil deine gesetzliche Krankenkasse:

  • 100 % der Kosten für die Gruppentherapie und der Arztkosten

  • 90 % der physikalischen Therapie

Die Unterkunft in privaten Hotels und Pensionen bezuschussen die Krankenkassen.


Fakten ambulante Tinnitus-Kompaktkur:


Positiv

  • Ambulant (Übernachtung am Heimatort).

  • In der Regel genehmigt die Gesetzliche Krankenkasse die Heilmaßnahme.

  • Geschlossene Gruppe über 21 Tage.

  • Hohe Therapiedichte.


Negativ

  • Übernachtung der Unterkunft ist frei zu wählen. Keine stationäre Unterbringung.

  • Keine qualifizierte Therapie bei psychischen Störungen (Depression, Angst).

  • Eine Verlängerung über die 21 Tage ist ausgeschlossen.

  • Keine qualifizierten Stellungnahmen zu Rentenanträge und Schwerbehinderung.

  • Du bist nicht arbeitsunfähig und musst Urlaub nehmen.

Fazit:

Die ambulante Tinnitus-Kompaktkur ist eine wirkungsvolle Maßnahme der Prophylaxe von Erkrankungen, die sich mit oder nach einem Tinnitus einstellen.

Bei psychischen Störungen und mittelschwerem bis schwerem Krankheitsbild ist eine stationäre Rehabilitation erforderlich.

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