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Hyperakusis – wenn Geschirrspülen schmerzt

Die Hyperakusis ist eine krankhafte Überempfindlichkeit der Ohren auf Geräusche. Alltägliche Geräusche verursachen heftige Schmerzen. Sie erfahren im Artikel die Ursachen, die Therapie und Vorschläge zur Selbsthilfe.


Bei der Hyperakusis stören das Klappern von Geschirr beim Spülen, schreiende Kinder, Autohupen, Sirenengeheul und knallende Türen. Sie schmerzen in den Ohren und dem Kopf.
Hyperakusis - ein psychisches Leiden

Das Klappern von Geschirr beim Spülen, schreiende Kinder, Autohupen, Sirenengeheul und knallende Türen schmerzen den Betroffenen in den Ohren. In schweren Fällen lösen auch die Stimmen von Menschen, das Summen einer Biene oder Hummel die Reaktion aus. Besuche von Familienfeiern, Restaurants oder Kinos sind nicht mehr möglich. Die Betroffenen reagieren auf laute Geräusche aggressiv, wütend und aufbrausend. Die Folge sind sozialer Rückzug und das Suchen der akustischen Stille. Die Menschen vereinsamen.


Hyperakusis - was treibt mich in die Isolation?

Die Ursachen sind ungeklärt. Vor 100 Jahren betrachteten Ärzte das Ohr mechanisch. Es nimmt die den Schall auf und leitet ihn, gerade so wie ein Mikrofon. So dachten sie. Heute ist die Sicht eine andere.

Der Schall wird vom Ohr über das Mittelohr und dem Innenohr in die Hörrinde geleitet. Eine Störung in diesem Bereich verursacht die Hyperakusis.
Schallleitung im menschlichen Gehör

Die Ohrmuschel fängt den Schall ein und leitet ihn über das Mittelohr zur Cochlea. Die Cochlea hat Ähnlichkeit mit einer Schnecke. Hier wird die mechanische Schallenergie in elektrische Nervenimpulse umgewandelt, die sie verschlüsselt an die Hörrinde im Hirn sendet. Die Hörrinde filtert Wichtiges von Unwichtigem. Das weinende Kind ist wichtig. Die Information gelangt in das Bewusstsein. Der Vater erwacht. Der nächtlich schreiende Uhu ist bedeutungslos und der Vater schläft weiter. Wichtige Geräusche verstärkt die Hörrinde und macht sie für uns wahrnehmbar. Unwichtige verdrängt sie. Was ist nun, wenn der wichtige Filter gestört ist, wie bei der Hyperakusis? Geräusche gelangen ungefiltert und ohne Kontrolle in das Bewusstsein, losgelöst von deren Wichtigkeit. Die Reizüberflutung schmerzt im Ohr und im Kopf.


Hyperakusis - bin ich gefährdet?

Die Ursachen sind letztendlich ungeklärt. Wissenschaftliche Studien zeigen organische und psychische Störungen.


Die Hyperakusis wird durch psychische und körperliche Leiden ausgelöst. Sie selbst verursacht solche.
Kopfschmerzen sind ein häufiges Symptom bei der Hyperakusis

Organische:

  • Migräne

  • Fibromyalgie

  • Hörsturz und Tinnitus

  • Medikamente (Aspirin, Koffein)

Psychisch:

  • Angst – und Panikstörungen

  • Depressionen

  • Burnout und Erschöpfungszustände

  • chronische Schmerzen

Die Praxis zeigt, dass die Psyche eine starke, wenn nicht die wesentliche Rolle spielt.

Nur wer sie pfleglich behandelt wird auch genesen.



Hyperakusis - ein Geschehen im Ohr?

Die Hyperakusis erfasst den ganzen Menschen: Verstand, Seele und Körper. Stress löst sie aus und Stress verstärkt wiederum die Hyperakusis. Ein verhängnisvoller Kreislauf der Beschwerden. Die schmerzhaften Geräusche treiben das Herz an, der Blutdruck steigt und die Muskulatur im Schulter- und Nackenbereich verspannt. Schmerzen, Angst und Panik triggern sich gegenseitig. Der entstehende Teufelskreis ist für die Leidenden unmenschlich, beruflich und sozial eine Katastrophe. Sie ziehen sich zurück, meiden öffentliches Leben und geraten in die Isolation. Einsamkeit droht! Das muss aber nicht sein. Wirkungsvolle Hilfen stehen bereit.


Hyperakusis - wer hilft mir?

Am Beginn ist der HNO-Arzt oder Ärztin der Ansprechpartner. Der Königsweg zur Diagnose ist die Anamnese, das heißt die Befragung der Patienten. Der Arzt befragt den Betroffenen:

Hyperakusis setzt ein sehr gutes Verhältnis zwischen Patienten und Therapeuten voraus.
Ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis ist Grundlage einer Behandlung
  • beruflicher Stress

  • persönlicher Stress

  • akute und chronische Erkrankungen

  • Medikamente

Bei den technischen Untersuchungen ist ein Audiogramm erforderlich, ein Hörtest. Bei diesem ist das Resultat erstaunlich: Das Gehör ist bei Patienten häufig normal oder besser. Auffällig ist immer die Unbehaglichkeitsschwelle UCL. Der Patient hört einen Ton. Er drückt die Taste, wenn er ihn als unangenehm empfindet. Bei der Hyperakusis reagieren die Patienten rasch und empfindlich auf den Ton.


Hyperakusis - wie hilft mir der Arzt?

Im Vordergrund steht die Aufklärung des Patienten. Der informierte Patient ist der erste Schritt zu einem besseren Umgang mit den Beschwerden.

Bei der Hyperakusis kommen Antidepressiva, durchblutungsförderne Medikamente und Benzodiazepine zum Einsatz. Meist ohne Erfolg.
Bei der Hyperakusis helfen Arzneimittel selten.

Die Hyperakusis hat verschiedene Ursachen. Häufig tritt sie bei oder mit

  • Tinnitus und Hörsturz,

  • Depression,

  • Angst- und Panikstörungen,

  • Burnout und

  • psychovegetativen Erschöpfung

auf. Eine Behandlung mit Medikamenten oder eine Operation gibt es nicht.


Eine Möglichkeit der Therapie ist ein Noiser. Dieses Gerät sieht aus wie ein Hörgerät. Es erzeugt Geräusche, die individuell regulierbar sind. Ein Noiser wird versuchsweise angepasst. Das Ohr gewöhnt sich an eine Geräuschkulisse.


Antidepressiva, durchblutungsförderne Medikamente und Benzodiazepine werden verschrieben. Im Einzelfall sind sie ein Segen, meist aber völlig wirkungslos.


Versagt das Verfahren ist eine stationäre Rehabilitation (Reha) erforderlich. Spezialisierte Kliniken versuchen die Folgen der Störung zu mildern oder zu beseitigen, so dass die Patienten ein selbst bestimmtes Leben führen. Sie lernen den Umgang mit der Hyperakusis.


Hyperakusis- wie kann ich mir helfen?

Eine Hyperakusis erfordert vom Patienten ein hohes Maß an Einsicht in die Abläufe des Leidens. Akzeptanz der Störung ist gefordert und nicht ein frustrierender Kampf, den der Patient nur verlieren kann.


Tatsachen zur Hyperakusis:

  1. Natürliche Geräusche heilen, die Stille macht die Ohren empfindlicher.

  2. Gehörschutz und sozialer Rückzug fördern die Hyperakusis.

  3. Die Therapie dauert Monate.

  4. Die Auseinandersetzung mit dem Leben, dem Innen und Außen ist unumgänglich.

Bei der Hyperakusis sind Entspannungstechniken hilfreich. Es gibt keinen Unterschied bei der Wirkung. Suche dir die Methode aus, die gefällt.
Alle Entspannungstechniken helfen bei der Hyperakusis

Weitere wertvolle Hilfen im Umgang mit der Hyperakusis:

  • Selbsthilfegruppe (Hyperakusis-Selbsthilfe): Ein Leben ohne Geräusche und Lärm gibt es in unserer Gesellschaft nicht. In Selbsthilfegruppen lernen die Betroffenen, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und nach Lösungswegen zu suchen.

  • Entspannungstechniken: Progressive Muskelrelaxation, Autogenes Training oder Meditation sind ein MUSS! Das Ziel ist eine muskuläre und psychische Entspannung. Die Entspannung breitet sich durch die Übung auf Geist, Seele und Körper aus. Kurse bieten die Krankenkassen oder Volkshochschulen an.

  • Information von Familie, Freunden und Arbeitskollegen. Nur so können sie Verständnis zeigen und hilfreich bei der Bewältigung zur Verfügung stehen.

  • In der Wohnung fördern Geräusche im Hintergrund die Gewöhnung. Ein spielendes Radio, ein Zimmerspringbrunnen oder der laufende Fernseher wirken Wunder. Das Hirn lernt, Geräusche auszublenden. Stille Räume bewirken das Gegenteil.


Hyperakusis - wenn meine Seele schreit!

Die heutige Zeit erschöpft die Menschen. Viele sind erschöpft und ausgepowert. Sie merken es nicht. Es ist „normal“ eine Stunde zur Arbeit zu fahren, 8 Stunden Knochenarbeit zu verrichten und den einstündigen Rückweg anzutreten. Ständige Reizüberflutung durch Fernsehen, Handy und Straßenverkehr potenzieren sich mit den Belastungen am Arbeitsplatz. Wenig Personal, hohe Auftragsdichte und ständig wechselnde Aufgaben. Den Leistungsdruck gibt unser Denken und der Verstand 1:1 an unsere Seele und Körper weiter. Die beiden sind erst einmal brav und gehorchen, gehorchen und gehorchen.


Dann machen wir nebenbei das bisschen Haushalt, den Garten und den Papierkram. Am Wochenende geht es in den Vergnügungspark, die Disco oder zum Shopping in die Stadt. Und der Urlaub? Im besetzten Flieger geht es an die überfüllten Strände nach Mallorca. Im All-inclusive-Hotel beim Buffet. Auch kein Problem.

Wir treiben uns und wir werden getrieben! Die Seele und Körper gehorchen dem Verstand bis zu dem Zeitpunkt, wo sie nicht mehr können, bis zur Erschöpfung.
Ruhe und Entspannung finden wir immer seltener

Wir treiben uns und wir werden getrieben! Die Seele und Körper gehorchen dem Verstand bis zu dem Zeitpunkt, wo sie nicht mehr können. Sie sind erschöpft, es reicht ihnen. Sie schreien ein nicht mehr über hörbares NEIN! Wo ist bloß die Notbremse?


Und auf wundersame Weise helfen unser Körper und unsere Seele! Sie schenken uns ein Leiden, dass uns zum Innehalten auffordert: Hyperakusis, Tinnitus, Burnout, Schlaganfall oder den Kopfschmerz, um nur die wichtigsten Alarmsignale zu nennen.


Ist es nicht verständlich, dass unsere Seele und unser Körper nicht gehorchen und den Befehl verweigern? Und was machen wir? Anstatt Innezuhalten und über ein zufriedenes Leben, Ruhe und Entspannung nachzudenken, greifen wir zu Beruhigungsmitteln, Alkohol und Kokain. Die Peitschen der modernen Sklaverei! Und schon geht es im Sauseschritt weiter. Seele und Körper gehorchen wieder! Prima, wir funktionieren! Wir müssen nicht über unser Leben nachdenken.


Wie lange? Das ist ungewiss. Seele und der Körper sagen irgendwann ein NEIN, ein NEIN und noch einmal ein Nein, das wir hören, dem wir nicht ausweichen können: Depression, Angst und Herzinfarkt sind die Boten der chronischen Überforderung.

Die Hyperakusis ist ein nicht mehr zu überhörendes Warnsignal unseres Körpers. Wir können es ignorieren. Dann kann schlimmeres passieren.
Die Hyperakusis tritt häufig bei Stresserkrankungen auf

Wir schaffen es nicht alleine, die Krankheiten helfen uns. Wer es jetzt auch noch nicht schafft innezuhalten und den Blick nach innen zu wenden, greift zu Schmerzmitteln, Betablockern, Alkohol, Zigaretten und Kortison. Und wenn gar nichts mehr geht folgt die Berentung.


Diese Erkrankungen sind eine Aufforderung, über sich selbst nachzudenken. Sind Seele, Bewusstsein und Körper noch im Einklang mit einem zufriedenen Leben? Oder verhindern sie ein solches? Ich lade dich ein die Fragen in einer ruhigen Minute zu beantworten.

  • Arbeite ich jeden Tag mehr als 8 Stunden?

  • Liebe ich meine Arbeit? Macht sie mich zufrieden und glücklich?

  • Arbeite ich auch am Wochenende (hierzu gehören auch unliebsame Hausarbeiten)?

  • Habe ich ausreichend Zeit für meine Hobbys? Habe ich Hobbys?

  • Treibe ich Sport oder bewege ich mich regelmäßig?

  • Bin ich mit meiner Partnerin oder Partner glücklich?

  • Haben wir ein erfüllendes und beglückendes Sexualleben?

  • Schlafe ich fest und tiefe oder habe ich Einschlaf- oder Durchschlafstörungen?

  • Neige ich zum Grübeln?

Die Fragen zu beantworten ist leicht. Und doch benötigen einige für die Suche nach Lösungen psychotherapeutische Hilfe. In dem geschützten Rahmen haben sie Zeit. In Ruhe finden sich die Störungen, die hinter den Erkrankungen liegen. Sie und ihr Leben stehen im Vordergrund.


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