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Was passiert in der Pychotherapie?

  • Michael Sassenberg
  • 29. Mai
  • 6 Min. Lesezeit

Kennen Sie dieses Zögern vor dem ersten Schritt?


Vielleicht merken Sie schon länger, dass etwas nicht mehr stimmt. Der Schlaf ist schlechter geworden. Die Angst meldet sich häufiger. Die Erschöpfung sitzt tiefer. Konflikte, die sich wiederholen.


Oder Sie funktionieren nach außen weiter, während innerlich immer weniger Raum bleibt.

Und trotzdem bleibt da die Frage: Was passiert eigentlich, wenn ich in eine Psychotherapie gehe?


Vielleicht fragen Sie sich:


Muss ich sofort alles erzählen?

Wird gleich in der Kindheit „gegraben“?

Muss ich auf jede Frage eine klare Antwort haben?

Was, wenn ich weine?

Was, wenn ich nicht weiß, wo ich anfangen soll?



Diese Unsicherheit ist verständlich.


Eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie beginnt nicht damit, dass jemand Ihr Leben vorschnell deutet. Sie beginnt meist ruhiger: mit Zuhören, Sortieren, Verstehen und der gemeinsamen Frage, was Sie gerade belastet – und warum es vielleicht gerade jetzt nicht mehr so weitergeht wie bisher.



Sie müssen im Erstgespräch nicht fertig sortiert sein. Sie dürfen mit dem kommen, was im Moment da ist.




Ein ruhiger Gesprächsraum – zuhören, sortieren und gemeinsam verstehen.
Ein ruhiger Gesprächsraum – zuhören, sortieren und gemeinsam verstehen.




Das Erstgespräch: erst einmal ankommen


Im Erstgespräch geht es nicht darum, Ihre gesamte Lebensgeschichte vollständig auszubreiten.


Es geht zunächst um Orientierung.


Vielleicht erzählen Sie, was Sie im Moment am meisten belastet. Vielleicht sprechen Sie über Angst, depressive Stimmung, Schlafstörungen, Trauer, Erschöpfung,


Beziehungskonflikte oder körpernahe Beschwerden wie innere Unruhe oder Tinnitus unter Belastung. Vielleicht wissen Sie auch nur: „Ich kann so nicht weitermachen, aber ich weiß noch nicht genau, warum.“


Das reicht für den Anfang.


In meiner Privatpraxis für ärztliche Psychotherapie in Lemgo ist das Erstgespräch ein ruhiges Kennenlernen. Sie können prüfen:




Fühle ich mich ernst genommen?

Kann ich mir vorstellen, mit diesem Menschen über Persönliches zu sprechen?

Entsteht ein erster Eindruck von Sicherheit?



Gleichzeitig prüfe ich fachlich:



Passt Ihr Anliegen in den Rahmen meiner Praxis?

Ist eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sinnvoll?

Gibt es Hinweise, dass zunächst eine andere Hilfe, eine ärztliche Abklärung oder eine andere Behandlungsform wichtiger wäre?



Psychotherapie beginnt also nicht mit Verpflichtung. Sie beginnt mit Klärung.




Es geht nicht nur um Symptome


Natürlich sind Symptome wichtig. Wenn Sie Angst haben, schlecht schlafen, erschöpft sind oder ständig grübeln, soll das ernst genommen werden.


Aber in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie geht es nicht nur darum, ein Symptom möglichst schnell zum Schweigen zu bringen. Es geht auch um die Frage: Wofür steht es?



Vielleicht ist die Angst nicht nur Angst.

Vielleicht meldet sich darin ein alter Konflikt zwischen Nähe und Schutz.

Vielleicht ist die Erschöpfung nicht nur zu viel Arbeit, sondern auch das Ergebnis eines langen inneren Antreibers: „Ich darf nicht schwach sein.“

Vielleicht zeigt sich im Grübeln eine Sorge, die nie richtig ausgesprochen werden konnte.



Das bedeutet nicht, dass jedes Symptom tiefenpsychologisch gedeutet werden muss.


Körperliche Beschwerden gehören medizinisch abgeklärt.


Aber manchmal erzählt ein Symptom auch von einer Geschichte, die bisher keinen Raum hatte.








Die ersten Sitzungen: Zusammenhänge erkennen


Nach dem Erstgespräch folgen meist weitere probatorische Sitzungen. Diese Zeit dient nicht nur der Diagnose, sondern dem genaueren Verstehen.


Vielleicht wird deutlicher, wann Ihre Beschwerden begonnen haben.


Vielleicht zeigt sich, dass bestimmte Situationen Sie besonders stark treffen. Vielleicht merken Sie, dass Sie in Beziehungen immer wieder dieselbe Rolle übernehmen: die Verantwortliche, der Starke, die Angepasste, der Konfliktvermeider, diejenige, die nicht zur Last fallen möchte.


In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie schauen wir gemeinsam darauf, wie heutige Beschwerden mit früheren Erfahrungen verbunden sein können.


Nicht im Sinne von Schuldzuweisung. Nicht nach dem Motto: „Die Kindheit ist an allem schuld.“


Sondern eher so: Welche Erfahrungen haben geprägt, wie Sie heute Nähe, Kritik, Grenzen, Wut, Bedürftigkeit oder Rückzug erleben?



Vergangenheit ist therapeutisch nicht deshalb wichtig, weil sie vergangen ist. Sie ist wichtig, wenn sie in der Gegenwart weiterwirkt.




Frühere Erfahrungen können das heutige Erleben überlagern – manchmal kaum sichtbar, aber spürbar.
Frühere Erfahrungen können das heutige Erleben überlagern – manchmal kaum sichtbar, aber spürbar.



Wenn alte Muster im Raum sichtbar werden


Manche Dinge lassen sich nicht nur erzählen. Sie zeigen sich im Kontakt.


Vielleicht entschuldigen Sie sich in der Stunde dafür, dass Sie traurig werden.

Vielleicht sagen Sie: „Das ist wahrscheinlich nicht so wichtig“, obwohl genau dort etwas Wesentliches liegt.

Vielleicht bemühen Sie sich, besonders vernünftig zu wirken.

Oder Sie haben Sorge, zu viel Raum einzunehmen.


Solche Momente sind nicht peinlich. Sie sind therapeutisch bedeutsam.


Denn hier wird sichtbar, wie ein altes Muster heute arbeitet.


Vielleicht mussten Sie früher Rücksicht nehmen.

Vielleicht war es sicherer, nicht zu widersprechen.

Vielleicht bekamen Sie Anerkennung vor allem dann, wenn Sie funktioniert haben.


Dann kann es sein, dass genau diese Muster auch in der Therapie auftauchen.


Der Unterschied ist: Hier können sie gemeinsam bemerkt und verstanden werden.




Was „Durcharbeiten“ bedeutet


Viele Menschen wissen schon viel über sich.


Vielleicht wissen Sie, dass Sie schwer Nein sagen können.

Vielleicht wissen Sie, dass Sie sich zu schnell verantwortlich fühlen.

Vielleicht wissen Sie, dass Sie sich bei Kritik innerlich klein machen.


Und trotzdem passiert es immer wieder.


Das ist kein Versagen.


In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie reicht es oft nicht, ein Muster einmal zu erkennen. Es muss wiederholt verstanden werden: im Gespräch, in Beziehungen, im Alltag und manchmal auch in der therapeutischen Beziehung selbst.


Dieses wiederholte Erkennen nennt man Durcharbeiten.






Nicht durch Druck. Nicht durch bloßen Willen. Sondern durch Verstehen, Beziehung und neue Erfahrung.




Veränderung geschieht zwischen den Sitzungen


Eine Therapiesitzung dauert begrenzt. Das Leben dazwischen ist größer.


Deshalb findet ein wichtiger Teil der Veränderung außerhalb der Stunde statt.



Vielleicht bemerken Sie nach einer Sitzung früher, wann Sie sich wieder übergehen. Vielleicht merken Sie in einem Gespräch: „Jetzt will ich schon wieder Ja sagen, obwohl ich Nein meine.“

Vielleicht spüren Sie erstmals den Moment vor dem Rückzug.



Das sind keine kleinen Nebensächlichkeiten. Das ist Therapie im Alltag.



Die Sitzung ist der Ort des Sortierens und Verstehens. Der Alltag ist der Ort, an dem sich zeigt, ob langsam etwas anderes möglich wird.


Psychotherapie verändert nicht dadurch, dass jemand Ihnen sagt, was Sie tun müssen. Sie verändert, wenn Sie beginnen, sich selbst an entscheidenden Stellen anders zu verstehen.




Ein anonymisiertes Fallbeispiel


Eine Frau Mitte fünfzig kam mit Schlafstörungen, Erschöpfung und dem Gefühl, ständig funktionieren zu müssen. Nach außen wirkte vieles geordnet. Beruflich war sie zuverlässig, familiär stark eingebunden, im Alltag freundlich und kontrolliert.


Im Erstgespräch sagte sie: „Ich weiß gar nicht, ob das schlimm genug ist.“


In den folgenden Sitzungen wurde deutlicher, dass genau dieser Satz viel erzählte. Sie hatte früh gelernt, andere nicht zu belasten. Eigene Bedürfnisse kamen erst dann vor, wenn alle anderen versorgt waren.


Auch in der Therapie entschuldigte sie sich zunächst, wenn sie weinte. Sie fragte, ob sie zu viel erzähle. Sie versuchte, eine „gute Patientin“ zu sein.


Mit der Zeit konnte sie verstehen, dass ihre Erschöpfung nicht einfach Schwäche war. Sie hing mit einem alten Muster zusammen: Bindung sichern durch Anpassung.


Die Veränderung kam nicht plötzlich. Aber sie begann, im Alltag früher zu bemerken, wann sie sich selbst überging.




Wenn Sie Angst vor dem Erstgespräch haben


Eine Psychotherapie sollte kein Ort sein, an dem Sie beschämt werden. Sie soll ein Raum sein, in dem auch Schwieriges ausgesprochen werden kann, ohne dass sofort Druck entsteht.



Vielleicht fürchten Sie, nicht die richtigen Worte zu finden.

Vielleicht fürchten Sie, zu emotional zu werden. .

Vielleicht fürchten Sie, bewertet zu werden.



Das müssen Sie nicht.


Auch das darf sein.



Sie müssen im Erstgespräch nicht beweisen, dass Sie „krank genug“ sind.

Sie müssen auch nicht erklären können, was genau mit Ihnen los ist.


Es reicht, wenn Sie sagen können: „Ich möchte verstehen, was gerade mit mir geschieht.“




Erst einmal ankommen – manchmal beginnt Klärung damit, nicht sofort alles erklären zu müssen.
Erst einmal ankommen – manchmal beginnt Klärung damit, nicht sofort alles erklären zu müssen.





Was Sie selbst beobachten können


Diese Fragen können vor einem Erstgespräch hilfreich sein:


  • Was belastet mich im Moment am meisten?

  • Seit wann merke ich, dass etwas nicht mehr stimmt?

  • In welchen Situationen wird es stärker?

  • Gibt es Muster, die sich in meinem Leben wiederholen?

  • Was wünsche ich mir von einer Psychotherapie – Entlastung, Verstehen, Veränderung oder erst einmal Orientierung?


Sie müssen diese Fragen nicht vollständig beantworten. Manchmal reicht es, sie mitzubringen.




Leiser Praxisbezug


In meiner Privatpraxis für ärztliche Psychotherapie in Lemgo geht es in einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie häufig darum, Beschwerden nicht isoliert zu betrachten.


Wir schauen gemeinsam:



Was zeigt sich gerade?

Was wiederholt sich?

Welche alten Schutzmuster wirken vielleicht weiter?

Und was könnte heute anders verstanden und erlebt werden?



Der Ablauf ist dabei nicht beliebig. Er beginnt mit Kennenlernen und Klärung, führt über Verstehen und Durcharbeiten und soll mit der Zeit mehr innere Freiheit im Alltag ermöglichen.




Medizinisch-psychotherapeutischer Hinweis


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik oder Behandlung. Körperliche Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden. Wenn Sie sich akut gefährdet fühlen oder Suizidgedanken haben, wenden Sie sich bitte umgehend an den Notruf, den ärztlichen Bereitschaftsdienst, eine psychiatrische Ambulanz oder eine vertraute Person vor Ort.













 
 
 

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